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Gesellschaftskritik – Subjekt – Psychoanalyse

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Gesellschaftskritik – Subjekt – Psychoanalyse


Published October 17, 2015


Im Exit-Seminar 2015 soll es um den Themenkreis Gesellschaftskritik – Subjekt – Psychoanalyse gehen. Es reicht heute nicht aus, Zerfallsprozesse des kapitalistischen Patriarchats und eine entsprechende „Krise des Subjekts“, die sich immer mehr zuspitzen, vor allem ökonomisch und politisch zu analysieren – die gebrochene Totalität der Spätpostmoderne ist komplizierter. Das Problem des Verhältnisses von Wert-Abspaltungs-Kritik und Psychoanalyse ist dabei nach wie vor ungelöst und es kann wohl auch nicht im Sinne einer systemischen Eintracht zur Deckung gebracht werden; dazu sind die gesellschaftlichen Verhältnisse zu widersprüchlich. Mit Adorno sollte hier also keine Zwangsvereinheitlichung angestrebt werden. Den Schwerpunkt des Seminars bildet der Zusammenhang von (Spät)Postmoderne und narzisstischem Sozialcharakter, der schon seit Jahrzehnten einschlägige Teile der Linken umtreibt, ja mittlerweile geradezu zur Plattitüde geworden ist.

Mit dem psychanalytischen Blick auf die spezifische Verfassung des Subjekts in der Krise heute ergibt sich jedoch auch das Problem, in welches Verhältnis die von Marx vorgelegte „Kritik durch Darstellung“ zur völlig anders verfahrenden freudschen „Kritik durch Deutung“ aus Sicht der Wert-Abspaltungs-Kritik zu setzen ist. Ausgangspunkt für die Behandlung dieser Fragestellung ist, dass man/frau die fundamentale Krise und ein Zu-ende-gehen des Kapitalismus in der Linken immer noch häufig abwehrt, obwohl jede/r im Grunde genommen weiß (durch die Verlaufsformen der gnadenlosen Krisenverwaltung es zunehmend unleugbar wird), dass es so nicht weitergehen kann.


(Hier dokumentiert sind:)

Anselm Jappe: War alles Descartes‘ Schuld? – Einige Betrachtungen zum Verhältnis von Narzissmus und Warenfetischismus


Daniel Späth: „Kritik durch Deutung“ – Wert-Abspaltungs-Kritik, Psychoanalyse und die Irrationalität des narzisstischen Zerfallssubjekts



Wurde die radikale Krisentheorie zunächst auch und gerade von linksradikaler Seite totgeschwiegen, konnte sie doch über ihren krisentheoretischen Kern hinaus Einfluss in der Linken gewinnen, sodass die Ignoranz von der Denunziation abgelöst wurde: Kapitalismus und objektive „innere Schranke“ (Marx)? Ihr habt sie doch nicht mehr alle! Zu allem Unglück erfasste die objektive „innere Schranke“ des Weltkapitals spätestens seit 2008 in vollem Umfang, sodass selbst die in konkretistischer Manier immerzu angeführte Empirie nur noch schwer gegen die radikale Krisentheorie ins Feld geführt werden kann. Seitdem sind Ignoranz und Denunziation gegen die radikale Krisentheorie von ihrer eklektizistischen Aneignung abgelöst werden, wodurch Versatzstücke der radikalen Krisentheorie in dem zur Szene verkommenen Linksradikalismus herumgeistern, ohne dass auch nur einer kategorialen Krise des Kapitals oder die daraus erwachsenden Implikationen in Bezug auf die Verwahrlosung des postmodernen Zerfallssubjekts in irgendeiner Form ernsthaft in Betracht gezogen würden.


Die aus Sicht der Wert-Abspaltungs-Kritik paradoxe Gegenläufigkeit, dass einerseits die Theorie einer fundamentalen Krise des Kapitals durch die europäische Krisenverwaltung ungemein an Brisanz gewinnt, andererseits die Linke aber noch nie so weit wie heute davon entfernt war, eine inhaltliche Auseinandersetzung mit ihr auch nur im Ansatz zu versuchen, drängt geradezu zu einer psychoanalytischen Kritik dieser grunsätzlichen Krisenaversion. Der postmoderne Eklektizismus, dem sich auch die Linke leidenschaftlich verschrieben hat, wirft sich auf jede noch so konträre Auffassung, um ihr durch Einverleibung den Stachel der Kritik zu ziehen. Diese irrationale Aversion gegen die Krisentheorie, die wie kein anderer Affekt für die gedankliche Selbstauslieferung des Linksradikalismus an die fetischistischen Systemgesetzte steht, bedarf einer kritischen Aufarbeitung; und das umso mehr, da der Versuch des Unschädlich-Machens radikaler Krisentheorie nur der zugespitzte Ausdruck einer Erosion des Linksradikalismus ist, die wesentlich auch sozialpsychologisch konstituiert ist.


Allerdings ist diese psychosoziale Irrationalität des narzisstischen Sozialcharakters der Postmoderne nicht mehr mit den Kriterien der Marxschen „Kritik durch Darstellung“ zu fassen. Mit dem Aufbrechen der objektivistischen Wertkritik und der Entstehung der Wert-Abspaltungs-Kritik konnte auch die psychoanalytische Ebene für die Kritik des postmodernen Zerfallssubjekts fruchtbar gemacht werden. Da die Psychoanalyse als eigener theoretischer Gegenstand einer wert-abspaltungs-kritischen Ausarbeitung bis heute harrt, muss sich die – in sich widersprüchliche – Integration der psychoanalytischen Ebene in die Wert-Abspaltungs-Kritik am inhaltlichen Begründungsanspruch messen lassen. In diesem Sinne wird der Vortrag versuchen, eine wert-abspaltungs-kritische „Kritik durch Deutung“ von der Marxschen „Kritik durch Darstellung“ abzugrenzen, um insbesondere in Bezug auf die Freudsche Theorie darzulegen, wie ihr als Konstitutionstheorie der psychischen Form sowohl kritische, als auch affirmative Momente eignen. Ein zweiter Teil wird auf dieser Basis die psychodynamischen Implikationen des narzisstischen Sozialcharakters ausleuchten, um so letztlich auch auf die sozialpsychologischen Schranken aufmerksam zu machen, die sich der radikalen Krisentheorie gegenüber auftun.



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